Marketing bei der Unternehmensnachfolge: Warum digitale Sichtbarkeit den Unternehmenswert beeinflusst

Von David Rudolph · Zuletzt aktualisiert:

Bei einer Unternehmensnachfolge wird geprüft, wie abhängig das Geschäft von einzelnen Personen ist. Ein Betrieb, dessen Auftragseingang über die persönlichen Kontakte des scheidenden Geschäftsführers läuft, überträgt mit dem Eigentum keinen funktionierenden Vertriebskanal.

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Das gilt für die familieninterne Übergabe genauso wie für den Verkauf an einen Dritten. Beide Male steht dieselbe Frage im Raum: Was passiert mit dem Auftragseingang, wenn die Person geht, die ihn bisher getragen hat?

Der Personenrisiko-Abschlag

Käufer und Nachfolger bewerten Abhängigkeiten. Wenn Kunden über Jahrzehnte gewachsene Beziehungen zum Inhaber haben und keine dokumentierte, wiederholbare Akquise existiert, entsteht ein Risiko, das sich im Preis oder in den Vertragsbedingungen niederschlägt.

Bei der familieninternen Übergabe zeigt sich dasselbe Problem später und leiser. Der Nachfolger übernimmt ein Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern und stellt nach zwei bis drei Jahren fest, dass keine Anfragen nachkommen, weil die Quelle mit dem Vorgänger in den Ruhestand gegangen ist.

Was ein Käufer prüft

Bei einer Due Diligence im Mittelstand wird auf der Vertriebsseite regelmäßig gefragt:

  • Woher kamen die letzten Aufträge, aufgeschlüsselt nach Quelle?
  • Welcher Anteil des Umsatzes hängt an persönlichen Beziehungen des Inhabers?
  • Existiert ein dokumentierter, wiederholbarer Prozess von der Anfrage bis zum Abschluss?
  • Wie hoch ist die Konzentration auf die größten Kunden?
  • Ist das Unternehmen bei kaufnahen Suchanfragen auffindbar?

Auf drei dieser fünf Fragen antwortet ein Betrieb ohne systematisches Marketing mit einem Achselzucken. Genau dort entsteht der Abschlag.

Die Zeitachse vor der Übergabe

ZeitpunktWas in dieser Phase machbar ist
24 Monate vorherBestandsaufnahme, Herkunft der Aufträge dokumentieren, Positionierung schärfen
18 Monate vorherDigitale Grundlagen aufbauen: auffindbare Website, kaufnahe Inhalte, CRM mit Quellenerfassung
12 Monate vorherErste unabhängig erzeugte Anfragen, Prozess von Anfrage bis Angebot dokumentieren
6 Monate vorherNachweisbare Zahlenreihe über mehrere Monate, Übergabedokumentation
0 bis 6 Monate vorherKaum noch Substanzielles möglich, Zahlenreihen brauchen Zeit

Der entscheidende Punkt in dieser Tabelle ist die letzte Zeile. Ein Vertriebskanal, der bei der Due Diligence überzeugen soll, braucht eine Historie. Sechs Monate vor der Übergabe lässt sich Sichtbarkeit noch herstellen, aber keine belastbare Zahlenreihe mehr vorlegen.

Was in den 24 Monaten konkret zu tun ist

Herkunft dokumentieren. Bei den letzten 20 gewonnenen Aufträgen festhalten, woher der Erstkontakt kam. Diese Auswertung braucht wenige Stunden und ist die Grundlage für alles Weitere.

Positionierung vom Inhaber lösen. Wenn das Unternehmen über die Person erklärt wird, muss es künftig über Leistung, Nische und Ergebnis erklärt werden.

Auffindbarkeit für kaufnahe Suchanfragen herstellen. Nicht für Branchenbegriffe, sondern für die Formulierungen, mit denen ein Einkäufer sucht, der ein konkretes Problem hat.

Prozess dokumentieren. Von der Anfrage über die Qualifizierung bis zum Angebot. Ein dokumentierter Prozess ist übertragbar, ein eingespieltes Bauchgefühl nicht.

Erfassung im CRM. Jede Anfrage bekommt eine Quelle. Ohne dieses Feld ist in 18 Monaten keine Zahlenreihe vorzeigbar.

Wenn die Übergabe schon läuft

Auch kurzfristig gibt es sinnvolle Schritte, sie zielen dann auf Transparenz statt auf Aufbau. Eine dokumentierte Bestandsaufnahme, die offenlegt, woher die Aufträge kommen und wo die Abhängigkeit liegt, ist in der Verhandlung besser als eine unbeantwortete Frage. Ein bekanntes Risiko lässt sich einpreisen, ein unklares wird überbewertet.

Häufige Fragen

Beeinflusst Marketing wirklich den Kaufpreis? Es beeinflusst die Risikobewertung der Vertriebsseite. Wie stark sich das im Preis niederschlägt, hängt von Branche, Käufertyp und Verhandlung ab.

Gilt das auch bei familieninterner Übergabe? Ja, mit zeitlicher Verzögerung. Der Nachfolger merkt das Fehlen eines eigenständigen Kanals meist erst nach zwei bis drei Jahren.

Wir haben volle Auftragsbücher. Ist das nicht Beleg genug? Volle Auftragsbücher belegen die Vergangenheit. Die Frage bei einer Übergabe richtet sich auf das, was nach dem Wechsel nachkommt.

Wie lange dauert es, bis digitale Anfragen ankommen? Das hängt von Ausgangslage, Nische und Wettbewerb ab. Belastbare Zahlenreihen über mehrere Monate brauchen erfahrungsgemäß mehr als ein halbes Jahr.

Was ist der erste Schritt? Die Herkunftsauswertung der letzten 20 Aufträge. Sie kostet wenige Stunden und zeigt sofort, wie groß die Abhängigkeit tatsächlich ist.

Lohnt sich das noch, wenn die Übergabe in zwölf Monaten ansteht? Für den Aufbau eines nachweisbaren Kanals ist es knapp. Für Dokumentation und Transparenz in der Verhandlung lohnt es sich.

Wer sollte das treiben, der Übergeber oder der Nachfolger? Beide gemeinsam. Der Übergeber hat das Wissen über die Kundenherkunft, der Nachfolger trägt das Ergebnis.

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